...
HomeThemenUnternehmen bewerten IV positiv

Unternehmen bewerten IV positiv

Eine repräsentative Befragung von über 2000 Unternehmen im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen zeigt: Die Invalidenversicherung wird als kompetente Partnerin wahrgenommen. Gleichzeitig ist das Wissen über ihre Leistungen seit Jahren rückläufig.
Michael Buess, Petra Sidler
  |  17. März 2026
    Forschung und Statistik
  • Invalidenversicherung
Von den befragten Arbeitgebenden hatten 41 Prozent schon mindestens einmal Kontakt mit einer IV-Stelle. Holzbaufirma im Kanton Luzern (Keystone)

Auf einen Blick

  • Die Invalidenversicherung an sich und die direkten Kontakte mit den IV-Stellen werden positiv wahrgenommen, wie eine Befragung des Forschungsinstituts Demoscope von über 2000 Arbeitgebenden zeigt.
  • Die Aufgaben, Leistungen und Instrumente der IV sind jedoch weiterhin relativ wenig bekannt.
  • Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen betrachtet die Mitwirkung beim Arbeitsplatzerhalt grundsätzlich als ihre Verantwortung, die Eingliederung wird jedoch gleichzeitig oft als Risiko wahrgenommen.

Unternehmen in der Schweiz stellen der Invalidenversicherung (IV) ein gutes Zeugnis aus. Das zeigt eine Befragung des Forschungsinstituts Demoscope im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (Buess und Sidler 2026). An der im Jahr 2025 online durchgeführten Umfrage nahmen insgesamt 2010 Arbeitgebende teil, was einer Rücklaufquote von 39 Prozent entspricht.

Die Ergebnisse sind repräsentativ für die verschiedenen Unternehmensgrössen, Branchen und Regionen der Schweiz. Bereits in den Jahren 2012, 2014 und 2021 hat Demoscope Arbeitgeberbefragungen zur Wahrnehmung der IV und ihrer Instrumente durchgeführt.

Wie in den Vorjahren wird die IV in der jüngsten Befragung grundsätzlich als positiv – als «Partnerin/Unterstützerin» oder als «eine kompetente Anlaufstelle für Fragen rund um beeinträchtigte Mitarbeitende» – wahrgenommen (siehe Grafik 1). Demgegenüber werden negativ konnotierte Attribute wie «komplizierte Institution» oder «eine wenig Bekannte / eine Unbekannte» deutlich seltener genannt.

Gleichzeitig zeigt die Befragung aber auch, dass sich der allgemeine Wissensstand der Arbeitgebenden bezüglich Leistungen und Auftrag der IV seit 2014 tendenziell verschlechtert hat: In der Umfrage von 2025 bezeichnen sich 36 Prozent der Befragten über die IV als «gut bis eher gut» informiert.

Die bekanntesten Instrumente der IV sind dabei die Möglichkeiten der niederschwelligen Kontaktaufnahme mit der IV, die Meldung zur Früherfassung sowie die Unterstützung beim Arbeitsplatzerhalt. Diese sind 38 bis 43 Prozent der Befragten bekannt. Die am wenigsten bekannte Massnahme ist die Personalvermittlung: Nur 14 Prozent der Befragten kennen diese.

Zum geringen Wissensstand passt auch, dass erneut rund 50 Prozent der Befragten, die von der IV und den IV-Stellen bereitgestellten Informationsmaterialien noch nie konsultiert haben. Diejenigen Befragten, die diese Materialien kennen, beschreiben sie grossmehrheitlich als gut zu finden, gut zu verstehen und als informativ.

Kontakt mit der IV ist positiv

Von den befragten Arbeitgebenden hatten 41 Prozent schon mindestens einmal Kontakt mit einer IV-Stelle – die Hälfte davon mehrmals. In vier Fünfteln der Fälle ging es um krankheits- oder unfallbedingte Abwesenheiten von einzelnen Mitarbeitenden, nur bei einem Fünftel fand der Kontakt unabhängig von einem konkreten Fall statt.

Insgesamt stellen die Befragten, die schon einmal in Kontakt mit einer IV-Stelle standen, den Mitarbeitenden der IV-Stellen ein gutes Zeugnis aus (siehe Grafik 2). Hohe Zustimmungswerte erhielten die Aspekte «freundlicher Empfang» (78%), «hören zu, nehmen die Leute ernst» (71%) sowie «engagiert, setzen sich für einen ein» (70%). Auch den Aspekten «gut erreichbar» (63%) und «drücken sich einfach und verständlich aus» (58%) und «halten einen auf dem Laufenden» (54%) stimmte eine Mehrheit zu.

Hohes Verantwortungsbewusstsein der Firmen

Bezüglich konkreter Erfahrungen mit Eingliederungen und Wiedereingliederungen wird deutlich, dass gut 32 Prozent der befragten Unternehmen über entsprechende Erfahrungen verfügen. Sprich: Sie haben in den vergangenen drei Jahren Personen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit – nach einem Unfall oder einer Krankheit – weiterbeschäftigt oder eine entsprechend beeinträchtigte Person neu eingestellt. Diejenigen Unternehmen, die dabei externe Unterstützung beigezogen haben, wandten sich mehrheitlich an die zuständigen IV-Stellen. 92 Prozent zeigten sich mit der Unterstützung durch die IV-Stellen zufrieden, und 73 Prozent beurteilten die vorgeschlagenen Lösungen der IV-Stellen als «eher gut bis gut».

Unabhängig davon, ob bereits entsprechende Erfahrungen vorliegen oder nicht, könnten sich 70 Prozent der befragten Unternehmen vorstellen, Mitarbeitende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Unternehmen mithilfe der IV zu behalten. Für rund die Hälfte ist es denkbar, eine Person neu mithilfe der IV anzustellen.

Bezüglich der Art von Einschränkungen, die eine Weiter- oder Neubeschäftigung ermöglichen würden, nennt eine knappe Mehrheit körperliche Einschränkungen als Möglichkeit. Lediglich 15 Prozent könnten sich vorstellen, Personen mit psychischen Einschränkungen neu oder weiter zu beschäftigen.

80 Prozent der Unternehmen sehen es als ihre Verantwortung, im Rahmen des Zumutbaren bei der Suche nach einer angemessenen Lösung für den Arbeitsplatzerhalt für Mitarbeitende nach Krankheit oder Unfall mitzuwirken (siehe Grafik 3). Gründe, Mitarbeitende trotz einer Beeinträchtigung im Unternehmen zu behalten, sind für die Unternehmen vor allem der Erhalt der entsprechenden Fachkompetenzen in der Firma, aber auch die soziale Verantwortung und die persönliche Beziehung zu den entsprechenden Mitarbeitenden.

Die Unternehmen sehen aber durchaus auch Risiken und Hürden, die eine Neu- oder Weiterbeschäftigung von Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung mit sich bringen kann. 69 Prozent der Befragten betrachten dies als grosses finanzielles Risiko. Auch den dafür nötigen Anpassungsbedarf am Arbeitsplatz oder der Arbeitsorganisation sehen 62 Prozent der Befragten als grosses Risiko. 53 Prozent schätzen zudem die Bereitschaft beziehungsweise die Kompetenz von Vorgesetzten und Team, mit einer gesundheitlich beeinträchtigten Person umzugehen, als grosses Risiko ein – dies ist eine deutliche Zunahme gegenüber dem Jahr 2021, als der Wert bei 37 Prozent lag.

Literaturverzeichnis

Buess, Michael; Sidler, Petra (2026). Arbeitgeberbefragung zur Wahrnehmung der IV und ihrer Instrumente. Studie im Auftrag des BSV. Beiträge zur Sozialen Sicherheit. Forschungsbericht Nr. 1/26.

Dr. phil., geschäftsleitender Partner, Demoscope
[javascript protected email address]
Dr. phil. Projektleiterin, Demoscope
[javascript protected email address]

Weitere Beiträge zum Thema

BSV-Finanzperspektiven sind für Compenswiss zentral

Die Finanzperspektiven des Bundesamts für Sozialversicherungen bilden eine zentrale Grundlage für Compenswiss, um die künftigen Einnahmen und Ausgaben der Ausgleichsfonds der AHV, der IV und der EO zu prognostizieren. Auch die Anlagestrategie stützt sich auf diese Daten.

Perspektiven
  • AHV
  • Erwerbsersatzordnung
  • Invalidenversicherung
Alle Tags anzeigen Beitrag lesen
Filter
Apply Filters