Auf einen Blick
- Die revidierte Charta der öffentlichen Statistik der Schweiz schafft einen gemeinsamen Qualitätsrahmen und stärkt das Vertrauen in statistische Daten.
- Sie berücksichtigt die föderale Vielfalt der Statistikstellen sowie neue Aufgaben wie Datenbewirtschaftung und Datenwissenschaft.
- Die Ausrichtung an den europäischen Kodex ermöglicht eine bessere internationale Vergleichbarkeit.
Statistiken und Daten bilden eine wichtige Grundlage für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen – entsprechend wichtig ist das Vertrauen in sie. In einer Charta haben die Statistikstellen von Bund, Kantonen und Gemeinden deshalb Qualitätsstandards definiert. Dieser Verhaltenskodex wurde im Jahr 2002 geschaffen und ist im Jahr 2025 vollständig überarbeitet worden. Die Umsetzung der Charta wird vom Ethikrat der öffentlichen Statistik begleitet, der auch die Einhaltung der Charta überwacht und deren Verbreitung fördert.
Die Charta ergänzt rechtliche Vorgaben und verankert berufsethische Werte wie zum Beispiel fachliche Unabhängigkeit, statistische Geheimhaltung oder Unparteilichkeit und Objektivität. Letzteres beinhaltet zum Beispiel, dass statistische Informationen unter Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit unparteiisch zu entwickeln, zu erstellen und zu verbreiten sind, wobei allen Nutzenden gleichberechtigt und gleichzeitig Datenzugang zu gewähren ist.
Internationale Vergleichbarkeit
International stützt sich die Charta auf die Fundamental Principles of Official Statistics der Vereinten Nationen und den Verhaltenskodex für europäische Statistiken der EU. Inhaltlich stimmt die schweizerische Charta weitgehend mit dem europäischen Kodex überein, sie wird aber ergänzt um schweizerische Besonderheiten.
Im Zuge der jüngsten Überarbeitung der Charta wurde die Struktur des europäischen Kodex übernommen. Dies ermöglicht einen besseren europäischen Vergleich. Zudem können nun auch jene Statistikproduzenten der Charta folgen, die sich infolge des bilateralen Statistikabkommens mit der EU bisher ausschliesslich am europäischen Kodex orientierten. Die Charta wird durch diese Anpassung zur Referenz für die gesamte öffentliche Statistik der Schweiz und ermöglicht ein kohärentes Arbeiten im internationalen und nationalen Umfeld.
Der Beitritt zur Charta erfolgt freiwillig und dient als Qualitätslabel. Statistikstellen unterzeichnen die Beitrittserklärung und evaluieren die Umsetzung der Prinzipien selbst. Seit Herbst 2025 laufen die Unterzeichnungen der neuen Charta. Sowohl auf regionaler Ebene als auch beim Bund zeichnet sich eine Zunahme der Beitritte ab. Die im Rahmen der Revision vorgenommenen Anpassungen, die der Heterogenität der Statistikstellen Rechnung tragen, scheinen sich zu bewähren.
Zu den Unterzeichnenden der bisherigen Charta zählen auf kantonaler Ebene Kantone sowie die Städte Bern, Biel, Winterthur und Zürich. Auf Bundesebene finden sich sieben Bundesämter – darunter das Bundesamt für Statistik (BFS) sowie das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) – sowie die KOF der ETH Zürich.
Neue Aufgaben
Wie der europäische Kodex umfasst auch die revidierte Charta jetzt 16 Prinzipien. Diese decken institutionelle Rahmenbedingungen, statistische Prozesse und statistische Produkte ab (siehe Kasten). Rund 80 Indikatoren erläutern diese Prinzipien und veranschaulichen ihre Anwendung.
Ein Augenmerk legt die Charta auf den Datenschutz: Sie stärkt die Rolle der Statistikstellen in der Datenbewirtschaftung und der Datenwissenschaft und fördert die Entwicklung und verantwortungsvolle Nutzung (daten-)wissenschaftlicher Methoden.
16 Prinzipien für statistische Qualität
Das institutionelle Umfeld begünstigt …
- fachliche Unabhängigkeit
- partnerschaftliche Kooperation im Statistiksystem Schweiz
- Zugang zu den benötigten Daten
- angemessene Ressourcen
- Qualitätssicherung
- statistische Geheimhaltung und Datenschutz
- Unparteilichkeit und Objektivität
Statistische Prozesse …
- basieren auf solider methodischer Grundlage
- sind kontrolliert und transparent
- minimieren die Belastung der Auskunftgebenden
- unterstützen optimale Ressourceneffizienz
Statistische Produkte …
- entsprechen den Bedürfnissen der Nutzenden
- geben die Realität möglichst genau wieder
- sind aktuell und werden pünktlich veröffentlicht
- sind vergleichbar über Raum und Zeit
- werden klar und verständlich präsentiert
Heterogene Statistiklandschaft
Die revidierte Charta berücksichtigt zudem die heterogene Statistiklandschaft der Schweiz. Im föderalen System unterscheiden sich die Statistikstellen in Grösse, institutioneller Einbettung und Aufgaben. Weil die Umsetzung einzelner Prinzipien Schwierigkeiten bereitete, oder weil sie nicht ausschliesslich statistische Tätigkeiten ausüben, sahen bislang vorab kleinere Statistikstellen vom Charta-Beitritt ab.
Um der Heterogenität der insgesamt rund 80 Statistikstellen auf allen Staatsebenen gerecht zu werden, ist der bislang verpflichtende Charakter der Prinzipien jetzt offener formuliert. Während bisher die Prinzipien zu respektieren und umzusetzen waren, sind sie neu zu respektieren und durch die Umsetzung geeigneter Massnahmen anzustreben.
Präzisere Vorgaben zu organisatorischen Massnahmen sollen zudem auch jenen Stellen, die nicht ausschliesslich Statistik betreiben, eine unabhängige Statistikproduktion gewähren. All diese Anpassungen tragen der Realität etlicher Statistikstellen Rechnung. Sie ermöglichen es insbesondere auch kleineren Stellen, der Charta beizutreten. Berufsethische Fragestellungen können dadurch Eingang in die tägliche Arbeit sämtlicher Statistikstellen finden.
Ausbau des Qualitätsrahmens
Ergänzend zu den Tätigkeiten des Ethikrats findet im Projekt «EvalCharta» ein institutionalisierter Austausch zur Umsetzung der Charta-Prinzipien statt. Dieses Projekt war bisher den regionalen Statistikstellen vorbehalten und wird noch im laufenden Jahr sämtlichen Statistikstellen der Schweiz zugänglich gemacht. In diesem Zusammenhang wird auch die Schaffung eines «Quality Assurance Frameworks», eines ausführlichen Handbuchs für die Qualitätssicherung in der öffentlichen Statistik der Schweiz, geprüft. Ziel ist es, berufsethische Fragen dauerhaft im statistischen Alltag zu verankern und den Qualitätsrahmen weiter zu stärken.