Die Säule 3a – eine Herausforderung für die Statistik

Im Jahr 2022 lagen in der steuerbegünstigen Säule 3a insgesamt Gelder in der Höhe von 140 Milliarden Franken. Statistisch beruhen die Angaben zur dritten Säule auf einer komplexen Datenlage.
Salome Schüpbach
  |  01. Dezember 2023
    Statistik
  • Private Vorsorge
Über die Hälfte der Personen im Erwerbsalter in der Schweiz zahlen regelmässig in die Säule 3a ein. Pendler am Bahnhof Zürich Stadelhofen. (Keystone)

Auf einen Blick

  • Seit 2007 haben sich die Säule-3a-Gelder mehr als verdoppelt – auf 140 Milliarden Franken im Jahr 2022.
  • Unter dem Strich wird jährlich mehr in die Säule 3a einbezahlt, als für Pensionierung oder Wohneigentumsförderung aus der Säule 3a ausbezahlt wird.
  • Im Jahr 2020 nutzten rund die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz die dritte Säule.

Seit 1987 können Erwerbstätige steuerbefreit in die Vorsorgesäule 3a einzahlen. Die Möglichkeit wird rege genutzt, wie Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) zeigen: Im Jahr 2022 umfasste die Säule 3a insgesamt Gelder von 140 Milliarden Franken – dies entspricht 18 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) der Schweiz. Rund zwei Drittel davon verwalteten Banken, ein Drittel betreuten Versicherungen (siehe Grafik 1).

Im Jahr 2020 wurden gemäss Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) knapp 11 Milliarden Franken in die Säule 3a einbezahlt (siehe Grafik 2). Gleichzeitig wurden der Säule 3a damals 8 Milliarden Franken entnommen – beispielsweise beim Erreichen des Rentenalters, für den Kauf von Wohneigentum oder für die Gründung eines Unternehmens. Im Jahr 2020, einem guten Börsenjahr, resultierten zudem Kapitalgewinne.

Im Jahr 2020 (aktuellster verfügbarer Wert) machten insgesamt 1,8 Millionen Steuerpflichtige (Einzelpersonen oder Ehepaare) einen 3a-Abzug geltend (siehe Grafik 3). Wenn man bei den Verheirateten annimmt, dass beide Ehepartner erwerbstätig sind, aber nur einer in die Säule 3a einzahlt, entspricht dies 33 Prozent der erwerbstätigen Steuerpflichtigen.

Wenn hingegen jeweils beide Ehepartner einen 3a-Abzug tätigen und wir nur die Selbstständigen und Unselbstständigen berücksichtigen, kommt man auf 51 Prozent. Dies entspricht auch den Werten aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE), auf die man sich statistisch anstelle der ESTV-Zahlen stützen kann, um den Anteil Personen mit 3a-Produkten zu erfassen. Denn diese Stichprobenerhebung bei der ständigen Wohnbevölkerung enthält auch eine Frage zu allfälligen Einzahlungen in die Säule 3a: Im Jahr 2019 gaben 56 Prozent der Befragten 25 bis 64-/65-jährigen an, regelmässig Beiträge in die Säule 3a zu zahlen. Somit ergibt diese Befragung ein ähnliches Bild wie die ESTV-Zahlen: Über die Hälfte der Personen im Erwerbsalter in der Schweiz zahlen regelmässig in die Säule 3a ein.

Die meisten Personen verteilen das 3a-Geld dabei auf mehrere Produkte: Im Jahr 2019 kamen pro Steuerpflichtige mit einem Säule-3a-Abzug durchschnittlich zweieinhalb Säule-3a-Produkte. Wenn wir wiederum davon ausgehen, dass bei den verheirateten Steuerpflichtigen jeweils beide erwerbstätig sind, dann ergibt dies eineinhalb Säule-3a-Produkte. Somit kann davon ausgegangen werden, dass von den Steuerpflichtigen mit 3a-Abzug mehrere Säule-3a-Produkte eröffnet werden.

Weitere statistische Zahlen liefert der Verein Vorsorge Schweiz (VVS): Bis 2019 erhob der VVS jährlich die Anzahl Säule-3a-Produkte. Diese Angaben boten einen guten Überblick über die Bedeutungsentwicklung, aber nicht über die Anzahl Personen, die Säule-3a-Guthaben haben. Grundsätzlich ist es nämlich möglich, eine unbegrenzte Anzahl an Säule-3a-Produkten zu eröffnen. Bei der Auflösung wird jeweils das gesamte Guthaben eines 3a-Produktes ausbezahlt. Wer das Geld auf mehrere Produkte verteilt, kann das Guthaben gestaffelt über mehrere Jahre hinweg auflösen – wobei aufgrund der Progression tiefere Steuern anfallen als bei einer einmaligen Auflösung.

Leider stehen ab 2020 diese Daten nicht mehr vollumfänglich zur Verfügung. In der Schweizerischen Sozialversicherungsstatistik (SVS) können wir deshalb in Zukunft nicht mehr die Anzahl Säule-3a-Produkte erfassen. Stattdessen werden wir die Anzahl Steuerpflichtigen, die einen Säule-3a-Abzug geltend machen, ausweisen.

Lebensqualität im Alter

Säule-3a-Zahlungen sind sozialpolitisch erwünscht: Die AHV deckt den Grundbedarf, die berufliche Vorsorge ermöglicht es, den gewohnten Lebensstandard in angemessener Weise fortzuführen und die Säule 3a deckt zusätzliche Bedürfnisse. Je mehr Personen eine Säule 3a haben, desto mehr Personen können nach ihrer Pensionierung finanziell unbeschwert leben und sind nicht auf zusätzliche finanzielle Hilfe angewiesen.

Im Jahr 2023 können Arbeitnehmende maximal 7056 Franken steuerbegünstigt in die Säule 3a einzahlen. Bei Selbstständigerwerbenden, die keiner Vorsorgeeinrichtung der zweiten Säule angeschlossen sind, sind maximal 35 280 Franken möglich. Die Beiträge können entweder bei einer Bank in Form eines Kontos oder eines Anlagefonds einbezahlt werden oder an eine Versicherungseinrichtung überwiesen werden.

Über das Guthaben der Säule 3a darf in der Regel frühestens fünf Jahre vor, beziehungsweise spätestens fünf Jahre nach Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters verfügt werden. Eine vorzeitige Auszahlung der Leistungen ist nur in klar definierten Fällen – wie etwa beim Erwerb von Wohneigentum oder beim Gang in die Selbstständigkeit – möglich.

Mehrere Datenquellen

Statistisch gesehen ist die Datenlage zu Einzahlungen in die Säule 3a relativ komplex. Es gibt nämlich keine zentrale Datenbasis, die alle Einzahlungen in die Säule 3a auf individueller Ebene erfasst. Die statistischen Indikatoren müssen aus verschiedenen Quellen zusammengestellt und geschätzt werden:  

  • Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhebt das Volumen des Säule-3a-Kapitals bei Banken.
  • Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erfasst das Brutto-Deckungskapital Säule 3a bei Versicherungsunternehmen.
  • Der Verein Vorsorge Schweiz (VVS) wiederum erfasst bei seinen Mitgliedern jährlich das Säule-3a-Vermögen sowohl auf Konten als auch in Depots. Somit ist das Verhältnis von Vermögen auf Konten zu Vermögen in Depots bekannt. Dieses Verhältnis nutzen wir, um die 3a-Anlagefonds bei Banken zu schätzen. Der VVS erhebt ebenfalls die Anzahl 3a-Konten sowie bis 2019 die Anzahl 3a-Versicherungspolicen.
  • Die Einzahlungen in die Säule 3a bei Banken oder Versicherungen kann der Steuerstatistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) entnommen werden.
  • Über die Auszahlungen gibt die Neurentenstatistik (NRS) Auskunft. Sie erfasst die Säule-3a-Auszahlungen bei der Pensionierung beziehungsweise für die Wohneigentumsförderung.
  • Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) erfragt im Modul «Soziale Sicherheit», ob Zahlungen in die dritte Säule getätigt werden.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Datengrundlagen und Analysen, Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV).
[javascript protected email address]