Säule 3a: Fonds gewinnen an Bedeutung

Noch dominieren in der Säule 3a die Sparkonten. Doch die Vorsorgefonds haben in den letzten Jahren aufgrund tiefer Zinsen und besserem Renditepotenzial deutlich zugelegt.
Josef Steiger
  |  07. November 2023
    Forschung und Statistik
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Fonds Oder Konto? Ein Produktevergleich In Der Säule 3a Lohnt Sich. (Alamy)

Auf einen Blick

  • In der Säule 3a befanden sich Ende 2021 Vorsorgegelder in der Höhe von fast 142 Milliarden Franken.
  • Aufgrund sinkender Realzinsen nimmt die Bedeutung des Wertschriftensparens zu.
  • Nachhaltige Anlageprodukte sind heute in der Säule 3a die Regel, bedeutende Unterschiede gibt es bei den Vermögensverwaltungskosten.

Die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge basiert bekanntlich auf drei Säulen: der staatlichen, der beruflichen und der privaten Vorsorge. Während die ersten beiden Säulen zusammen die Weiterführung des gewohnten Lebensstandards ermöglichen sollen, deckt die dritte Säule zusätzliche individuelle Bedürfnisse ab. Sie besteht erstens aus der ungebundenen Selbstvorsorge (Säule 3b). Dazu zählen alle freiwillig angesparten Vermögenswerte, welche in beliebiger Höhe einbezahlt werden können, und zu jedem Zeitpunkt auszahlbar sind. Den zweiten Bestandteil der dritten Säule bildet die gebundene Selbstvorsorge (Säule 3a), die im Zentrum dieses Beitrags steht.

Über das Guthaben der Säule 3a kann frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter («Referenzalter») verfügt werden. Eine vorzeitige Auszahlung ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich – beispielsweise für die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, für den Erwerb von Wohneigentum, für den Einkauf in die zweite Säule oder bei endgültigem Verlassen der Schweiz.

Derzeit beträgt der Maximalbetrag für die jährliche Einzahlung für Angestellte, die in der zweiten Säule versichert sind, 7056 Franken. Für Selbstständige sind bis zu 20 Prozent des Einkommens (maximal 35 280 Franken) möglich, sofern sie keiner Vorsorgeeinrichtung angehören. Die Säule-3a-Beträge können von den Steuern abgezogen werden, und bei der Auszahlung profitieren die Versicherten von einem reduzierten Steuersatz.

Ende 2021 befanden sich gemäss der Schweizerischen Sozialversicherungsstatistik Vorsorgegelder in der Höhe von fast 142 Milliarden Franken in der Säule 3a. Davon verwalteten Banken rund 91 Milliarden Franken und Versicherungen 51 Milliarden Franken.

Im Gegensatz zu den Säule-3a-Angeboten der Banken enthalten die Angebote der Versicherungen einen Versicherungsschutz für Invalidität oder Tod. Bei den Säule-3a-Angeboten der Versicherungen kommt daher nicht der ganze Prämienbetrag der Altersvorsorge zugute, dafür zusätzlicher Versicherungsschutz. Auch wird eine fixe Vertragsdauer vereinbart, das heisst es müssen regelmässige Zahlungen geleistet werden. Allerdings ermöglichen die Verträge meist Prämienpausen, was die Flexibilität erhöht.

Die folgende Analyse beschränkt sich auf die Angebote der Banken, wo der gesamte Betrag der Altersvorsorge zugutekommt, und die relativ flexibel ausgestaltet sind.

Kontolösung

Bei fast zwei Dritteln der Säule-3a-Gelder der Banken Ende 2021 – insgesamt 59 Milliarden Franken – handelte es sich um Spareinlagen bei einer Bankstiftung. Diese «Kontolösung» erlaubt eine freiwillige Einzahlung bis zum jeweiligen Jahresmaximum. Aufgrund der Negativzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank war die Verzinsung bis vor Kurzem allerdings sehr tief. Seit die Inflation angestiegen ist, ist die nominale Verzinsung etwas besser geworden, allerdings nicht im Ausmass der Inflation.

In den vergangenen vier Jahren lag die durchschnittliche Verzinsung bei 0,2 Prozent, wie ein Vergleich von 88 Anbietern anhand des Portals Finpension zeigt (keine Kapitalgewichtung). Zum Vergleich: Die Jahresinflation lag zwischen Juli 2019 und Juli 2023 gemäss dem Bundesamt für Statistik bei insgesamt 4,8 Prozent. Real resultierte für die Versicherten mit einer Kontolösung ein Verlust.

Derzeit steigen die Zinsen wieder. Mitte 2023 betrug die durchschnittliche Verzinsung der 88 Anbieter laut Finpension 0,65 Prozent. Die Jahresinflation betrug Ende Juli 1,6 Prozent.

Seit Ende der 1980er-Jahre sind die Realzinsen stetig zurückgegangen. Dies lässt sich beispielsweise anhand der Bundesobligationen zeigen (siehe Grafik 1).

Wertschriftensparen nimmt zu

Das Säule-3a-Geld kann auch in Form von Säule-3a-Anlagefonds bei einer Bank gemäss schweizerischem Bankengesetz angelegt werden. In den letzten Jahren haben diese «anlagegebundenen Sparlösungen» aufgrund der Negativzinsen deutlich an Beliebtheit gewonnen. Während sich Ende 2017 schätzungsweise 17 Milliarden Franken in den Säule-3a-Anlagefonds befanden, waren es Ende 2021 bereits etwa 32 Milliarden Franken.

Welche 3a-Fonds schneiden besonders gut ab? Ein Vergleich der Performance ist aufgrund der unterschiedlichen Strategie und uneinheitlicher, nicht kompatibler Datenangaben schwierig. Eine Annäherung an die mögliche Performance der Säule-3a-Anlagelösungen bietet ein Benchmark.

Ein Beispiel für einen solchen Benchmarkt ist der «Pictet BVG Index 25 plus». Er setzt sich aus 65 Prozent Obligationen, 10 Prozent Immobilien sowie 20 Prozent Aktien und 5 Prozent alternativen Anlagen zusammen. Demgegenüber enthalten der «Pictet BVG Index 40 plus» und der «Pictet BVG 60 plus» höhere Anteile an Aktien und alternativen Anlagen (siehe Tabelle). Die höchsten Anlagerisiken und Schwankungen weist der «Pictet BVG 60 plus» auf.

Zumindest in den letzten Jahren haben sich höhere Risiken gelohnt – was aber keine Garantie für die künftige Entwicklung darstellt. Trotzdem: Der relativ lange Anlagehorizont in der Säule 3a kann von risikofähigen und risikobereiten Personen für entsprechende Anlagen genutzt werden. Wichtig ist jedoch, dass die Versicherten in den letzten Jahren vor der Auszahlung entscheiden, ob sie die Risiken reduzieren wollen. Denn gerade bei höheren Quoten von Aktien (und alternativen Anlagen) sind die kurzfristigen Schwankungen erheblich.

Versicherte können auch eine Fondslösung mit hoher Aktienquote mit einem Konto der Säule 3a kombinieren. Dies eliminiert die Kursschwankungen der festverzinslichen Obligationen und spart meist auch Vermögensverwaltungskosten. Eine solche Kombination von Konto und Fondslösung ist eher lohnend bei steigenden Zinsen, jedoch eher nachteilig bei sinkenden Zinsen, da die Kurse der Obligationen (je nach Laufzeit) bei steigenden Zinsen sinken, und bei sinkenden Zinsen steigen.

Grosse Unterschiede bei Verwaltungskosten

Die Kosten der Produkte im Bereich des Wertschriftensparens variieren deutlich. Meistens werden die Vermögensverwaltungskosten standardisiert in Form der Total Expense Ratio (TER) erhoben. Diese enthält die wesentlichen Vermögensverwaltungskosten. Nicht enthalten sind jedoch die im Fonds anfallenden Transaktionskosten, welche aber im Durchschnitt eher tief sind (eine Stichprobe des Autors bei 22 Fonds ergab einen Wert von 0,06 Prozent, dies gemäss Angaben der Anbieter).

Einzelne Anlagevehikel weisen den TER-Wert nicht aus, sondern eine Verwaltungskommission oder ähnliches. Die Auswertung von 122 Anlagevehikeln ergibt grosse Abweichungen (siehe Grafik 2). Im Durchschnitt betragen die Vermögensverwaltungskosten 1,05 Prozent pro Jahr. Der günstigste Fonds erhebt 0,24 Prozent, der teuerste 1,76 Prozent.

Ein grosser Kostenunterschied existiert zwischen aktiv und passiv verwalteten Anlageformen. Bei passiv verwalteten Produkten wird ein Index nachgebildet, die Performance entspricht (näherungsweise) dem Index (abzüglich nicht im Index berücksichtigter Kosten). Bei aktiv verwalteten Produkten versuchen die Vermögensverwaltenden eine Mehrrendite gegenüber dem Index zu erreichen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass sie dabei oft scheitern. Die 107 aktiv verwalteten Produkte erheben Gebühren von durchschnittlich 1,13 Prozent, während die 15 passiv verwalteten Produkte durchschnittlich 0,49 Prozent kosten.

Zusätzlich wird oft auch noch eine Ausgabekommission erhoben, und etwas seltener eine Rücknahmekommission. Bei anderen Anlagen existiert ein Unterschied zwischen dem Kaufs- und Verkaufspreis. Diese Kosten können mehrere Prozentpunkte ausmachen. Werden die Produkte langfristig gehalten, sind sie auf die Haltedauer gerechnet allerdings weniger entscheidend als die jährlich anfallenden Kosten.

Beim Wertschriftensparen der Säule 3a lohnt es sich demnach, die Kosten und die Rendite zu vergleichen, wie dies bei allen kollektiven Wertschriftenanlagen der Fall ist. Auch muss sich der Versicherte über seine Risikofähigkeit und die Risikoneigung im Klaren sein.

Trend zur Nachhaltigkeit

Zusehends an Bedeutung bei den Säule-3a-Fonds gewinnt der Nachhaltigkeitsaspekt. Im Anlagebereich spricht man dabei von sogenannten ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung).

Während nachhaltige Produkte vor ein paar Jahren die Ausnahme waren, werden sie mehr und mehr zur Regel. Mittlerweile haben die Versicherten bei Säule-3a-Fonds gute Auswahlmöglichkeiten: Von den 122 ausgewerteten Produkten weisen 95 ein nachhaltiges Rating aus oder bezeichnen sich als nachhaltig. Dabei existieren allerdings Unterschiede. Gewisse Produkte wenden sehr strikte Kriterien an, andere haben ein eher tiefes nachhaltiges Rating.

Stellvertretender Leiter, Finanzierung berufliche Vorsorge, Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV)
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